Wenn ich nur eine einzige Art für den Einstieg in die Ameisenhaltung empfehlen müsste, wäre es Lasius niger. Sie ist robust, verzeiht kleine Fehler, und ihr Verhalten ist faszinierend genug, um nie langweilig zu werden. Es ist die Art, mit der ich selbst angefangen habe, und sie bleibt meine Empfehlung für jeden Neuling.
Warum Lasius niger wählen?
Lasius niger ist wahrscheinlich die am weitesten verbreitete Ameisenart in Europa. Man findet sie überall: in Gärten, auf Gehwegen, Rasenflächen, Parks. Diese Vertrautheit mit verschiedenen Umgebungen macht sie zu einer besonders anpassungsfähigen und robusten Art in Gefangenschaft.
Sie verträgt kleine Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit gut, was Anfängern einen echten Fehlerspielraum lässt. Ihre klaustrale Gründung ist einfach zu handhaben, und ihre ersten Arbeiterinnen erscheinen unter guten Bedingungen problemlos.
Haltungsparameter
| Parameter | Empfohlener Wert |
|---|---|
| Aktive Temperatur | 22°C bis 26°C. Die Raumtemperatur einer Wohnung reicht in den meisten Fällen aus. |
| Nestfeuchtigkeit | Mittel bis hoch. Die Watte des Reagenzglases sollte stets feucht bleiben. |
| Diapause | Obligatorisch, von November bis März. Ideale Temperatur zwischen 5°C und 10°C. |
| Empfohlenes Reagenzglasformat | 15 x 150 mm für die Gründung und junge Kolonien. |
| Entwicklungsgeschwindigkeit | Langsam bis moderat. Erste Arbeiterinnen nach 4 bis 8 Wochen je nach Temperatur. |
Fütterung
Lasius niger ist omnivor. Ihre Ernährung basiert auf zwei sich ergänzenden Quellen, die regelmäßig angeboten werden sollten, sobald die ersten Arbeiterinnen vorhanden sind.
Für Zucker: stark verdünntes Honigwasser, Sirup oder Zuckergelee. Dies ist die Hauptenergiequelle für Arbeiterinnen und Königin. Für Proteine: kleine Insekten wie Fliegen, Drosophila oder zerkleinerte Grillen. Proteine sind für die Entwicklung der Larven unerlässlich.
Einrichtung und Nest
Für die Gründung und die ersten Monate ist das Reagenzglas bei weitem die am besten geeignete Lösung. Es reproduziert die natürlichen Bedingungen, die die Königin sucht: Dunkelheit, Enge, stabile Feuchtigkeit. Die Kolonie entwickelt sich dort stressfrei und ohne unnötige Manipulation.
Wenn die Kolonie 30 bis 50 Arbeiterinnen erreicht, kann man in Erwägung ziehen, das Reagenzglas mit einem externen Bereich zu verbinden und dann schrittweise mit einem ersten Nest. Ein Acrylnest ist ideal für den Anfang: Es ermöglicht die Beobachtung des Kolonieverhaltens ohne Eingriffe.
Tipps für den Erfolg
- ✔ Während der Gründung das Reagenzglas an einem ruhigen und dunklen Ort platzieren. Die Königin braucht Ruhe, um ihre ersten Eier zu legen.
- ✔ Nicht füttern, bevor die ersten Arbeiterinnen erscheinen. Die klaustrale Königin benötigt während dieser Phase keine externe Nahrung.
- ✔ Die Feuchtigkeit des Reagenzglases einmal pro Woche überprüfen. Die Watte sollte feucht, aber nicht durchnässt bleiben.
- ✔ Den Ausbruchschutz sofort nach dem Öffnen des Reagenzglases auf die Wände des externen Bereichs auftragen. Lasius niger ist eine agile Art, die alle Oberflächen testet.
- ✔ Die Diapause jeden Winter einhalten. Eine Kolonie, die nicht überwintert, schwächt sich über mehrere Jahre hinweg allmählich ab, auch wenn die Auswirkungen nicht sofort sichtbar sind.
❓ Häufig gestellte Fragen
In der Regel 4 bis 8 Wochen, je nach Umgebungstemperatur. Bei 24°C ist die Entwicklung schneller als bei 20°C. Wenn nach 10 Wochen nichts passiert, überprüfen Sie die Bedingungen, ohne das Reagenzglas zu öffnen.
Ja, problemlos. Ein Reagenzglas kann eine Kolonie von bis zu mehreren Dutzend Arbeiterinnen aufnehmen. Es gibt keinen Grund für einen Umzug, solange die Kolonie sich wohlfühlt.
Während der Hochzeitsflüge zwischen Juli und September kann man geflügelte Gynen direkt nach ihrem Flug am Boden fangen. Dies ist für nicht geschützte Arten wie Lasius niger legal. Man kann sie auch bei seriösen Züchtern kaufen.
Zwischen 5°C und 10°C. Ein kühler Keller, eine wenig beheizte Garage oder ein spezieller Kühlschrank sind dafür bestens geeignet. Der Temperaturabfall sollte schrittweise über ein bis zwei Wochen erfolgen.
🔬 Wussten Sie schon?
Der dokumentierte Langlebigkeitsrekord einer Lasius niger Königin in Gefangenschaft beträgt 28 Jahre. Das ist außergewöhnlich in der Welt der Insekten und macht sie zu einer der langlebigsten Königinnen unter allen europäischen Ameisenarten. In der Haltung ist eine Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren häufiger, aber immer noch bemerkenswert.
Dieser Rekord wurde vom deutschen Myrmekologen Paul Ehrhardt in den 1920er Jahren aufgestellt und ist damit eine der ältesten und am häufigsten zitierten wissenschaftlichen Beobachtungen in der Myrmekologie.